Was ist Morbus Menière ???
Bei der Menièr´schen Erkrankung handelt es sich um ein fest umschriebenes Krankheitsbild mit den Symtomen Druckgefühl im Ohr, Drehschwindel über Stunden einschließlich Erbrechen und zunehmender Schwerhörigkeit des betroffenen Ohres.
Eine Variante des Morbus Menière ist das sogenannte Lermoyez-Syndrom, wobei die Patienten während des Drehschwindelanfalles eine Hörverbesserung beschreiben.
Die genaue Ursache des Krankheitsbildes ist nicht bekannt, jedoch ist man sich heute sicher, daß die Auslösung der Schwindelanfälle und auch die Ursache der Schwerhörigkeit in einem sogenannten Hydrops des Innenohres, also einer pathologischen Druckerhöhung der Innenohrflüssigkeit zu suchen ist. Da man diese Pathomechanismen hierfür sehr gut kennt, besteht ein klares Konzept zur Behandlung des Morbus Menière.
Oft beginnt die Krankheit mit einer Störung im Tieftonbereich und dem Anzeichen von Ohrdruck, bis dann die ersten Schwindelanfälle auftreten.
Der sogenannte Saccus endolymphaticus bildet das Wasserreservoir des Innenohres. Dieses Reservoir liegt eingebettet im Knochen hinter dem Ohr und diese knöcherne Einbettung spielt bei der Krankeit des Morbus Menière eine besondere Rolle: das Wasserreservoir kann sich bei Druckerhöhung nicht ausdehnen. Das Prinzip der Operation besteht darin, diesen Saccus endolymphatikus aufzusuchen und ihn von seiner knöchernen Schale zu befreien. Diese Operationstechnik verlangt aber eine spezielle Ausbildung, da es nicht einfach ist, die Struktur aufzufinden und zu identifizieren. Wird die Operationstechnik jedoch beherrscht, handelt es sich um einen ungefährlichen Eingriff, der die Schwindelanfälle zu erliegen bringt und mit etwas Glück sogar zu einer besseren Hörfähigkeit des betroffenen Ohres führt.
Die Problematik dieser Operatonstechnik hat in der Wissenschaft zu heftigen Diskussionen geführt.
Es gibt viele Ärzte, die den Erfolg dieser Operation anzweifeln. In Deutschland wird die richtige Operationstechnik nur noch von wenigen Schulen beherrscht und gelehrt.
Nur in seltenen Fällen wird als weitere Maßnahme die Zerstörung des Gleichgewichtsnerven mittels Einbringung einer toxischen Substanz (Gentamycin) in das Mittelohr oder der Durchtrennung des Gleichgewichtsnerven (selektiven Neurektomie des Nervus Vestibularis) durchgeführt. Diese beiden Verfahren, ob medikamentös oder operativ, bergen die Gefahr einer Hörverschlechterung oder gar Ertaubung durch die Therapie selbst in sich. Sie beeinflussen auch nicht das pathophysiologische Geschehen der Druckerhöhung im Innenohr. Sie behandeln lediglich die Auswirkungen dieser Druckerhöhung nämlich die Schwindelanfälle. Auch nach diesen Maßnahmen wird es weiterhin zu einer zunehmenden Verschlechterung des Gehörs kommen. Dieser Umstand muß bei der Auswahl der Therapiemaßnahmen beachtet werden. Neben diesen Grundprinzipien der Behandlung des Morbus Menière spielen wie bei allen Innenohrerkrankungen ernährungsphysiologische Überlegungen eine Rolle, also gesunde Ernährung, kein Nikotin, eher salzarme Ernährung und die Diagnostik und Behandlung von Störungen der Halswirbelsäule und der Kiefergelenke.
Eine sehr wichtige Rolle spielt die psychologische Betreuung und Behandlung: der Menière-Patient ist infolge der überfallartig einsetzenden Schwindelanfälle entsprechend verängstigt. Aus Sorge, diesen Zustand in der Öffentlichkeit zu erleiden, vernachlässigen fast alle Menièrepatienten ihr soziales Leben und ziehen sich zurück. Vereinsamung, Unsicherheit und Ängste sind die Folge. Nach einer geglückten medizinischen Behandlung mit Beseitigung der Drehschwindelanfälle bleiben diese Probleme oft zurück. Der Patient selbst kann sein Befinden dann meist nicht richtig ausdrücken, für ihn besteht weiterhin eine Unsicherheit, die gerne auch als “Schwindel” dargestellt wird.
Dieser “Schwindel” ist jedoch unbestimmt und ganz anders als der für die Menièr´sche Krankheit typische Drehschwindel! Er ist Ausdruck der genannten Unsicherheit im psychischen Bereich und nur gut zu verstehen, da die Patienten oft jahrelang diesen als lebensbedrohlich empfundenen Attacken ausgesetzt waren.