Kapitel 1
Kougaiji, der junge Vampir, dessen Lebensalter gerade einmal 20 Menschenjahre betrug, lief hungrig durch Nazdrin. Es war dunkel, wie jeden Tag und Nacht. Nazdrin war die Stadt der Vampire, nie fiel ein Sonnenstrahl auf diese Stadt, immer war es der Mondschein der die Stadt erstrahlen lies. Es war gerade um Mitternacht und der Vollmond schien in seiner ganzen Pracht. Die tiefbraunen Augen des Vampirs huschten durch die Straße. Er beachtete die Nazgul, die auf ihren schwarzen Pferden durch die Straßen ritten, oder auf ihren Drachen über die Stadt hinweg flogen, nicht. Er störte sich schon lange nicht mehr an dieser Patroullie der Nazgul. Sie suchten nach Fremden, nach denen den der Aufenthalt in Nazdrin verboten war.
Sein Mantel wehte leicht im Wind, als er an einer Seitenstraße stehen blieb. Er spürte eine Aura, sie gehörte keinem Menschen und keinen Vampiren. Er schien zu überlegen, was er da spürte, dann fiel es ihm ein…
Ein lächeln zierte seine Lippen, ein hinterhältiges, kühles lächeln. Seine Schritte, nachdem er diese wieder aufnahm, führten ihn in eine Gasse, wo er denjenigen erkannte, den er gesucht hatte. Es war kein Fremder für ihn, doch es war schon einige Jahre her, als sie sich das letzte Mal gesehen hatten. „Guten Abend, Yaîn“ Der Eismagier drehte sich ruckartig um. Seine Haut war blass, genauso wie damals und auch dieselben Eisblauen Augen besaß er. „Kou…Kougaiji!?“ er schien erschrocken, darüber den Vampiren wieder zu sehen. Sachte und kaum erkennbar nickte der Vampir mit dem Kopf, während er näher trat. Sie waren nicht das, was man Freunde nennen konnte. Der Magier, der sich in viele verschiedenen Rollen versetzen konnte, fasste an sein Schwert „Na na na… Wer wird denn da so Unhöflich sein?“ fragte er Yaîn mit gesenkter Stimmlage. Der Magier, Jäger oder wie man ihn sonst noch nennen mochte, blieb fest vor ihm stehen. Er zeigte keine Angst, genauso wie sein Gegenüber. „Was willst du von mir?“ fragte Yaîn bestimmt. „Das wirst du noch merken!“ lächelte Kougaiji, ehe Yaîn reagieren konnte, vergruben sich bereits die Zähne des Vampirs in dem zärtlichen Fleisch des Jägers. Der Jäger stöhnte vor schmerz, zog scharf die Luft ein. Sofort krallten sich seine Hände in die Schultern des jungen Vampirs.
Kougaiji spürte wie das Blut seine Kehle hinunter lief, es war süß, köstlich. Die Schlagader des Jägers begann unter den Zähnen des Vampirs zu pulsieren, pumpte noch mehr Blut durch seinen Körper und beforderte es schließlich die Kehle des Vampirs hinunter, der es genüsslich aufsog. Er saugte das lebend spendete Gesöff, als könnte es das letzte Mal sein, das er Blut zu sich bekam. Als er von dem Jäger abließ, der nun eigentlich tot sein müsste, hielt sich dieser immer noch an ihm fest. Er drängte den Vampiren zurück und sah ihm dabei fest in die Augen. Kougaiji spürte plötzlich die kühle Wand an seinem Rücken. „Denkst du, das ich davon sterben werde?!“ Der Jäger lachte leise und versetzte Kougaiji eine Gänsehaut am Körper. „Ich bin ein Jäger, ein Magier… Ich kann alles sein was ich möchte!“ es klang wie eine Drohung in den Ohren des Vampirs „Und ich habe die Möglichkeit, mein Blut laufen zu lassen, ohne das ich dabei Sterbe! Mein Körper produziert direkt neues Blut für mich…“ Kougaiji sah ihn unsicher an, wollte Yaîn ihn nun töten? Der Vampir drückte seinen Körper dichter an die Wand, da er sonst keine andere Chance hatte dem Jäger auszuweichen und nicht so nahe zu sein. Yaîn hingegen, spürte wie Kougaiji sich seinen Berührungen entzog und folgte ihm sofort mit seinem Körper, drückte ihn mehr gegen die Wand. „W-Was hast du vor?“ wollte der Vampir wissen. „Ich könnte dich töten… und ich hätte keinerlei Gewissens bisse dabei!!!“ bekam er als Antwort. Kougaiji schluckte bei diesen Worten. Wäre das sein Ende? Würde er nun von demjenigen getötet, den er eigentlich als erstes töten wollte?
„Das… könntest du“ flüsterte der Vampir zustimmend. Ja, er kannte den Jäger und schon damals hatte der Jäger, ohne mit der Wimper zu zucken, Leute umgebracht und Kougaiji wusste auch, das Yaîn keine Probleme damit haben würde, ihn den Erdboden gleich zumachen. „Du hast Angst“ die Lippen des Jägers formten sich zu einem lächeln. Andächtig strichen seine Lippen über die Haut des Vampirs, berührten seinen Hals. Erneut schluckte Kougaiji. „Deine Furcht kann man riechen“ fuhr der Jäger weiter. Der Vampir antwortete nicht, er hätte Lügen müssen, um Yaîn zu widersprechen. Ja, er hatte Furcht. Kougaiji´s Hände drückten sich flach gegen die Wand. Er wollte und konnte Yaîn nicht berühren, konnte sich nicht bewegen und denken konnte er ebenfalls nicht. Yaîn raubte ihm seinen Verstand, brachte alles in ihm durcheinander. „Lass…mich gehen“ flüsterte Kougaiji, während Yaîn ihm andächtig über die Wange strich und ihn gleichzeitig noch mehr gegen die Wand drückte. „Nein!“ antwortete Yaîn. Er wollte Kougaiji Angst einjagen, dieses Erlebnis unvergesslich machen. Er liebte es, Angst von anderen zu spüren, das war so zu sagen sein Hobby. Die Lippen des Jägers wanderten über Kougaiji´s Kinn und mit der Zungenspitze fuhr er über dessen Lippen. Der Vampir hielt den Atem an, er hatte Angst vor dieser Berührung, wieso wusste er eigentlich selbst nicht. Ein Schauer lief über seinen Rücken, während der Jäger sachte seine Lippen spaltete und ihn dazu aufforderte, den Zungenkuss zu erwidern. Kougaiji´s Augen weiteten sich, starrten Yaîn in die seinen. Ja, Yaîn sah ihn an und ein geheimnisvolles Funkeln lag in diesen Eisblauen Augen. Der Vampir schluckte schwer. Sein Körper rief nach der nähe des Jägers, anderer seits wollte er sich ihm auch entziehen.
Sein Körper wusste zwei Dinge: Erregung und Furcht.
Es dauerte seine Zeit, bis Kougaiji zögerlich und zurückhaltend den Kuss erwiderte. Plötzlich spürte der Vampir wie ihn ein Verlangen überrannte. Verlangen, das der Jäger ohne Probleme an dessen Unterleib spüren konnte, was er auch mit Genuss zu tun schien. Es dauerte nicht lange, bis Pure Erregung und Leidenschaft in dem Kuss der Beiden lag.
Kougaiji spürte wie sein totes Herz begann lauter zu pochen und wie sein lebloses Blut anfing zu brodeln. Sein Atem verschnellerte sich, seine Hände, die vorher an der Wand lagen, schlangen sich zögerlich um den Körper des Jägers. Yaîn berührte Kougaiji´s Unterleib, schien ihm so nahe kommen zu wollen, wie noch nie. Es dauerte lange, ja wirklich sehr lange, bis Kougaiji wieder Herr über seine Gedanken und auch über seinen Körper wurde. Er drückte Yaîn bestimmt von sich weg, jedoch nicht zu viel. „Ich…ich bin kein Homo!“ sagte er unsicher, immer noch war er sehr Erregt. Yaîn lachte über diese Aussage und fasste plötzlich in den Schritt des Vampirs. Deutlich zuckte Kougaiji zusammen, erschrocken und doch voller verlangen. „Dafür, dass du kein Homo bist, schein ich dich sehr zu erregen, Kougaiji!“ Kougaiji schluckte, lehnte sich schwer gegen die Wand. „Lass das… ich bin nicht so wie du!“ sagte er leise, als Yaîn jedoch die Hand wegzog und sich von ihm wegdrehen wollte, hielt der Vampir ihn am Handgelenk fest. „Nein… doch nicht, komm wieder her!“ pure Erregung lag in seiner Stimme. Yaîn wendete den Blick wieder in die Augen des Vampirs, seine Mundwinkel zuckten zu seinem lächeln. Er trat wieder näher und legte einen Finger an die Lippen des Vampirs, dessen Wangen vor Hitze rötlich waren. Eigentlich hatte Kougaiji die Lippen des Jägers küssen wollen, allerdings spürte er nur seinen Zeigefinger. „Ich kenne dich zu gut, um das mit dir zutun!“ erklärte er mit ruhiger Stimme. „Weißt du… ich bin niemand, der sich auf jemanden einlässt den er schon gut kennt und dich, mein Lieber, kenne ich schon viel zu lange! Ich wollte dir nur Angst einjagen, aber woher hätte ich wissen sollen, das es dir so sehr gefällt?“ Yaîn´s Lippen schienen aus den Augen von Kougaiji total verführerisch zu sein. Die kleinen Bewegungen, wenn er sprach, lies ihn noch mehr nach ihm verzerren. Er wollte ihn und zwar jetzt. Ohne groß auf seine Worte zuhören, zog der Vampir die Hand seines Gegenübers von seinen Lippen, zog ihn an sich und verwickelte ihn wieder in einen leidenschaftlichen Kuss. Yaîn, der das eigentlich nur angefangen hatte um Kougaiji zu ärgern, erwiderte den Kuss dennoch genauso liebevoll. Kougaiji drückte Yaîn an sich, er wollte dieses Gefühl kennen lernen, wie es war mit einem Gleichgeschlechtlichem zu schlafen. „Verzeiht das ich störe…“ plötzlich trat eine Frau in die dunkle Gasse. Ihr Haar war braun und ihre Augen strahlend grün. Sie hatte ein recht üppiges Kleid an, das von ihrer wohlgeformten Brust sehr viel zeigte. Yaîn sah erschrocken auf, er kannte die Stimme. „Was willst du?“ knurrte er und drückte sich schlagartig von dem Vampiren weg, der nun versuchte seinen Mantel schnell um sich zu schlingen, da er ja doch ziemlich erregt war und das konnte man sicherlich auch gut erkennen. „Du weißt was ich möchte…“ ein lächeln zauberte sich auf ihre vollen roten Lippen. „Verschwinde! Du kommst es nicht!“ zischte Yaîn. Kougaiji sah zwischen den beiden schweigsam hin und her. Wer war diese Frau? Die Braunhaarige trat auf die Beiden zu, jedoch anstatt vor Yaîn stehen zu bleiben, trat sie an ihm vorbei und blieb dicht vor dem Vampiren stehen. Nun war sie es, die ihm über die Wange strich. Sie fesselte den Vampiren mit ihren grünen Augen, die in die seine stachen. „Diesmal hast du dir aber einen schönen Kurtisanen ausgesucht!“ (Kurtisanen = nette Umschreibung für Hure!) Geschockt sah Kougaiji zu der Frau „Wie bitte? Ich bin kein Kurtisan!“ murrte er. Yaîn trat auf die Beiden zu, zog die Frau von dem Vampiren weg „Lass ihn mein Kurtisan sein, wenn ich es unbedingt will!“ meinte er gleichgültig. Der Vampir sah beide einmal an. Er war kein Kurtisan, allerdings bemerkte er Yaîn´s Blick, der bedeuten sollte, er sollte lieber still sein, weshalb er es auch war. „Irane!“ Yaîn klang ganz und gar nicht erfreut. „Mit reden alleine, kannst du nichts bei mir bewirken…“ Irane seufzte, gelangweilt strich sie dem Jäger eine seiner hellen Strähnen aus dem Gesicht. „Du weißt wie ich Gewalt verachte…“ Yaîn zog eine Augenbraue hoch „Du und Gewalt verachten?“ er lachte trocken, bitter. „Du hast doch deine Soldaten… wofür benutzt du sie denn immer? Sie müssen doch den ganzen Dreck für dich erledigen!“ Irane drehte sich, mit letztem Blick zu Kougaiji, von den Beiden weg und verließ die Gasse „Wir sehen uns wieder, Yaîn!“ Der Jäger schnaufte verächtlich und er schien sich erwischt zu fühlen, wobei? Das war eine gute Frage. „Wer… Wer war das, Yaîn?“ fragte der Vampir und schien von einem auf das andere Mal ganz vergessen zu haben, was die beiden vorher vorgehabt hatten. „Das?“ Yaîn seufzte genervt „Das, Kougaiji, war meine Schwester… Meine Ordensschwester!“ Kougaiji schien nicht zu verstehen. „Deine… was?“ „Ordensschwester! Aber das musst du nicht verstehen, das ist eine viel zu lange Geschichte und ich habe kein Interesse daran, dir das zu erzählen!“ Eine Pause entstand, Inder niemand der beiden wagte etwas zu sagen. Schließlich ergriff Yaîn wieder das Wort und unterbrach somit das Schweigen. „Ich werde wieder gehen! Wegen mir, wirst du noch in Gefahr geraten, kleiner!“ Da war es wieder… dieses Wort, was Kougaiji so abgrundtief hasste und doch klang es aus Yaîn´s Mund so anders, so gut. //Kleiner// dachte sich Kougaiji und ein lächeln umspielte seine Lippen. Genauso hatte er ihn damals auch immer genannt, damals als sie als Feinde auseinander gegangen waren, sich regelrecht bekriegt haben…
„Wohin wirst du gehen?“ fragte Kougaiji nach, Yaîn antwortete einige Zeit nicht „Das ist egal! Ich werde dahin gehen, wo du mich nicht finden kannst!“ Er lächelte viel sagend, dann verschwand er aus der Gasse und lies Kougaiji einfach zurück…